MathisZwick2016, Dokumentation, Video HD mit Ton 33'19''
Sus Zwick, Musik: Muda Mathis
Konzept und Organisation Hot Pots: Jennifer Mira Ackermann, Monika Dillier, Andrea Saemann. Teilnehmende Künstler_innen und Köch_innen: Lukas Acton, Nicole Boillat, Lisa Fuchs, Ina Hess, Gisela Hochuli, Judith Huber, Jana Kischkat, Fränzi Madörin, Ruth Marx, Muda Mathis, Barbara Naegelin, Chris Regn, Marcel Schwald, Inga Shalvashvili, Sus Zwick
1993 wurden circa 12'000 Flüchtlinge aus dem Sezessionskrieg zwischen Abchasien* und dem Rest von Georgien in den ehemaligen Sanatorien von Tskaltubo provisorisch untergebracht. Anfangs wurden Malzeiten in den Hotelküchen zubereitet und kostenlos in den Speisesälen ausgegeben. Später richteten die Bewohnerinnen auf ihren Balkonen und in den Bädern individuelle Küchen ein. Die Gemeinschaftsräume fielen brach und die Speisesäle wurden überflüssig.
In den letzten Jahren wurden für einen Teil der Flüchtlingsfamilien in Tskaltubo und in anderen georgischen Städten Neubauten errichtet. Dennoch leben heute nach wie vor viele Familien in den improvisierten Unterkünften der allmählich verfallenden Sanatorien.
Tskaltubo (Georgien), ein in der Sowjetzeit berühmter Thermalkurort, liegt in den Ausläufern des Kaukasus in der georgischen Provinz Imereti.
Vor diesem Hintergrund entwickelten zwei Schweizer Künstlerinnen und eine Köchin aus Deutschland das Tskaltubo Hot Pots Projekt.* Sie setzten sich mit den Bewohnern eines der Sanatorien in Verbindung und luden eine Gruppe von etwa 20 Kunstschaffenden nach Tskaltubo ein. Mithilfe von Übersetzerinnen hofften sie einen Platz für kulturellen Austausch und Begegnungen zu schaffen. Gemeinsam mit den Bewohnerinnen wollten sie kochen, essen, zeichnen, sitzen und reden und so die Flure und leerstehenden Säale des "Tskaltubo Sanatoriums" in kollektiv genutzte Räume verwandeln.
Die Idee ging auf. Während des 5-wöchigen Projektes wurde eine Küche installiert, gemeinsam gekocht, Rezepte wurden ausgetauscht und man ass täglich zu Mittag. Ein Zeichentisch wurde gebaut und gemeinsam schuf man Bilder und Texte für ein Kochbuch, welches vor Ort gedruckt, kopiert und allen Teilnehmern übergeben wurde. Das ehemalige Kino des Sanatoriums, das sogenannte "Klubi", wurde für den Release der Publikation, die Präsentation des Projektvideos und ein Abschlussfest mit seiner Bühne und Leinwand zu neuem Leben erweckt. – Dies, um nur die unmittelbar sichtbare Seite des Projektes zu beschreiben. Doch es gibt noch eine andere Seite: Die Spuren der Begegnungen und des Austausches in den Köpfen und Herzen aller Beteiligten. Neue Einblicke, neue Impulse und vielleicht auch neue Freundschaften.