MathisZwick2018, dreiteilige Videoinstallation, Portrait HD mit Ton 25', 30 Videoepisoden HD mit Ton Geamtdauer 300', Tanzvideo HD mit Ton 14'
Muda Mathis, Sus Zwick und Hipp Mathis, Kunsthaus Baselland, Muttenz, Museum des Kanton Thurgaus, 2019





Fotos: Installationsansicht, Ismael Lorenzo
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Über eineinhalb Jahre und in mehr als zwanzig Aufnahmesessions erzählt Germaine Winterberg ihre Erinnerungen direkt in die Kamera. Es entstehen über 20 Stunden Aufnahmen eindrücklich erzählter Lebensgeschichte. Konsequent subjektiv, mit offenem Geist und feiner Wahrnehmung reist sie, ist respektvoller Gast in verschiedensten kulturellen, sozialen Konstellationen und wird Teil davon. Ihre Erinnerungsleistung, ein Archiv von Schilderungen, spricht von einer sinnreichen Welt und nimmt die Rolle von Reiseliteratur ein. Ihre Geschichten richten sich präzise auf Personen und Geschehnisse — und erzählen dabei zugleich von Welt. Es flimmern Momente von postkolonialen Zuständen, von Geschlechterbeziehungen, Körpergeschichten, vorindustriellem Handwerk und feudaler Geschäftsehre, Freundschaft und Trance, auf.
Germaine Winterberg wird 1936 in Basel geboren. Sie wächst in einfachen Verhältnissen auf. Als Kind will sie Indianerhäuptling und Forscherin werden und wünscht sich, in ferne Länder zu ziehen. Bereits in den 50er und 60er Jahren bereist sie den Süden Europas und fährt immer wieder alleine in den Maghreb und macht dort Tonbandaufnahmen von rituellen Gesängen.
Früh entdeckt sie die Anziehung für schöne Sachen, Stoffe, Kunsthandwerk und Schmuck. Mit dem traditionellen Rollenmodel, dem starren Frauenbild der Nachkriegsjahre kann Germaine Winterberg nichts anfangen. In der aufkommenden Hippiebewegung gehörte sie, zusammen mit ihrem Lebenspartner Sigi Winterberg, zu den Pionierinnen. Sie ist offen, neugierig und kann Unvereinbares locker zusammenbringen. Sie lebt ein nonkonformistisches Leben, ist Ehefrau und Mutter von zwei Söhnen und steht mit beiden Beinen auf dem Boden der Realität. Sie arbeitet im Völkerkundemuseum Basel als Textilassistentin und kauft Textilien für die ethnologische Forschung ein. Sie unterrichtet viele Jahre am Lehrerinnenseminar „aussereuropäische Textilkunst“ und führt zusammen mit ihrem Mann die Orientboutique Indigo in Basel.
Sie verbringt insgesamt fünf Jahre in Indien und zwei Jahre im Maghreb, wobei interkulturelle Begegnung, spirituelle Erkundung und Reflexion über das Eigene und das Fremde mit den Einkaufstouren für ihre Boutique untrennbar miteinander verwoben sind.
Ähnlich wie ihre prominenten Vorgängerinnen, die Schweizer Pionierinnen Annemarie Schwarzenbach, Ella Maillard und Alice Boner, muss Germaine Winterberg immer wieder wegfahren, um in der Ferne aufzutanken. Sie fühlt sich in Europa als fremder Vogel. Gleichzeitig ist ihr bewusst, dass sie nur als Europäerin ein solches Leben führen kann.